Sondertreffen 1: Besuch im Waldenland/Dschungel

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Art

Sondertreffen für eine Heimstunde (90-120 Minuten)

Inhalte

  • Gewissen
  • Vorurteile
  • interkulturelles Verständnis

Der Inhalt dieses Sondertreffens ist ein Begriff. Ich habe als Beispiel die Begriffe "Gewissen" und "Vorurteile" genommen, die aber auf keinen Fall während einer einzigen Heimstunde "abgehandelt" werden dürfen, d.h. nicht an einem Tag beide und beide nicht nur ein einziges Mal.

Erprobungen

Material

  • Material für einen Hindernisparcours
  • einige Stifte und Bänder
  • Waldenland: Handpuppen Puck und Alba für FührerInnen
  • Waldenland: Handpuppen für alle Kinder - diese könnten von den Kindern während früherer Heimstunden gemacht worden sein (Anmerkung: Willst Du auf Puppen verzichten, reichen einige "Veränderungsstriche" und/oder bunte Bänder, um in die Identität der Waldenlandwichtel zu schlüpfen. In diesem Fall wird Jause und Tanz noch ins Waldenland verlegt.)
  • Dschungel: Hüte und Perücken - für Verkleidung
  • Dschungel: Unterlagen (Anschauungsmaterial) über das Leben von Affen

Vorbereitungen

  • Aufbauen des Parcours

Ort

Dieses Sondertreffen stellt keine Ansprüche auf eine besondere Gegend, es kann überall durchgeführt werden.

Spielgeschichte und Ablauf

Den FührerInnen ist es endlich gelungen, eine tolle Möglichkeit zu finden, das Waldenland bzw. den Dschungel zu besuchen. Was wird uns dort erwarten? Wen werden wir treffen und wie?

Alle machen sich auf die Reise, wo auch immer die jetzt hin geht. Alle schließen die Augen und dann gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • der/die FührerIn beschreibt eine spannende Reise
  • mit fliegendem Teppich - bei starkem oder lauem Wind - durch das Erdinnere
  • mit einem Flugzeug
  • mit einer Rakete usw.

Diese Reise wird immer wieder durch konkrete Spiele unterbrochen (z.B. "Zahlenrufen" - sie haben sich verloren – die WiWö finden sich in Gruppen zusammen, die der gerufenen Zahl entsprechen - ganz zum Schluss wird halt jene Zahl gerufen, die der Anzahl der Kinder entspricht).

Die Kinder machen aktiv mit, indem sie z.B.

  • in ein Flugzeug einsteigen (die Gangway hinauf mit "Steigschritten")
  • über Land und Wasser fliegen (Turbulenzen - sie rütteln und beuteln sich)
  • das Flugzeug verlassen und in einen Zug mit ganz wenig Platz (dicht zusammendrängen) einsteigen
  • aussteigen und endlich wieder "Luft" (recken und strecken) haben
  • sich mühsam einen Weg durch das dichte Unterholz kämpfen (bücken – kriechen - über Gewässer springen - auf einen Baum klettern)
  • Energie erzeugen (durch Reiben der Handflächen), die sie für ein Raumschiff brauchen
  • andere Spiele mitspielen, die du "umfunktioniert" hast
  • einen Hindernisparcours überwinden, der natürlich auch diverse Stationen und Abenteuer der Reise darstellt

Endlich sind sie da.

Spielgeschichte im Waldenland

Die Kinder passen sich der Größe der Wichtel an, d.h. sie nehmen ihre Handpuppen. Die Figuren von Puck und Alba werden von FührerInnen bewegt und gesprochen. Die Ankommenden werden Zeuginnen folgender Szene (Puppentheater):

Puck wurde gerade von den Seebilben an Land gezogen und wird mit der "Sana-Eier-Honig-Geschichte" konfrontiert. Alba liest Puck wütend die Leviten. Puck versucht sich zu verteidigen. Sie entdeckt die "angekommenen" Geschöpfe und ersucht diese um Argumentationshilfe - sie würden wohl mehr Spaß verstehen als die "uralte" und "humorlose" Königin Alba. Je nach Reaktion der Kinder agieren entweder Puck oder Alba, die in Wirklichkeit natürlich nicht uralt und humorlos, sondern nur bemüht ist, Puck die Folgen ihrer unbesonnenen Streiche klar zu machen. Im Laufe der Diskussion gibt Puck zu, eigentlich ein schlechtes Gewissen zu haben (ihr waren ja die Konsequenzen ihres Handelns nicht klar). Sie fragt die Kinder, ob sie auch schon einmal ein schlechtes Gewissen gehabt haben - und warum. Die Kinder lassen während dieser Diskussion ihre Puppen sprechen.

Ziel der ganzen Diskussion ist es, den Kindern klar zu machen, dass es einesteils eine völlig normale Sache ist, "Blödsinn" gebaut zu haben und dies durch ein ungutes Gefühl, also das schlechte Gewissen, dann zu erkennen - und es andernteils genau so normal sein soll, sich entweder dafür zu entschuldigen oder, wenn dies nötig und sinnvoll ist, es wieder gut zu machen. (Dieses Thema solltest du aber immer wieder in dein Programm einbauen - denn ein "schlechtes" Gewissen kann krank machen und wäre aus verschiedenen Gründen oft gar nicht notwendig. Oft wird Kindern ein schlechtes Gewissen auch eingeredet. Es könnte durchaus ein Ziel unserer Arbeit mit den Kindern sein, sie sowohl vor der Opfer- als auch vor der Täterschaft zu bewahren.)

Bevor sich die Kinder verabschieden (alle legen die Puppen wieder weg), verspeisen sie eine Seebilben- oder Tillenspezialität und kreieren einen Waldenland-Erinnerungstanz.

Dann erfolgt die Rückreise, die - aus Zeitgründen - durchaus in Form einer De- und Rematerialisierung erfolgen kann, die Gruppe lässt sich z.B. "zurückbeamen".

Spielgeschichte im Dschungel

Im Dschungel angekommen verwandelt sich einE FührerIn ganz schnell in Mang, die Fledermaus (Perücke - Hut mit Ohren - aber keine Maske) und erzählt den Kindern eine Geschichte:

Er hängt friedlich im Baum, um zu schlafen, als er plötzlich ein fürchterliches Gebrüll hört, das ihn natürlich sofort aufweckt: Balu hält seinen Kopf, tanzt auf einem Bein und verwünscht sämtliche Bandarlogs. Noch bevor sich Balu einigermaßen beruhigt hat, hageln weitere Kokosnüsse von den Bäumen und treffen auch Graubruder und Grauschwester, die ähnlich reagieren. Die Getroffenen wollen sich an den Affen rächen, wissen aber genau, dass sie sie nie und nimmer erwischen, würden sie versuchen, ihnen nachzuklettern. Die Affen sind viel zu schnell und gewandt. So versucht nun Balu, sie herunterzulocken. Er brüllt mit seiner lautesten Stimme: "Kommt doch herunter, ihr tapferen Krieger - wenn Ihr euch traut oder bleibt lieber oben - am Ende sterbt ihr vor Angst, wenn ihr mir in die Augen schauen müsst." Mang ist gespannt, wie die Gesetzlosen des Dschungels auf diese Worte reagieren und ist erstaunt, als sie sich ganz langsam - und Mang ist davon überzeugt, auch mit "vollen Hosen", hätten sie welche angehabt - auf den Boden gleiten lassen. Mang ist immer noch empört über die Frechheit und Angeberei dieses Volkes, tatsächlich zu erscheinen anstatt beschämt das Weite zu suchen. Balu fragt nach ihren Namen. Darüber sind wiederum die Affen sehr erstaunt und grinsen blöd, anstatt ihre Namen zu nennen. Balu reißt nun die Geduld und er wirft ihnen ihre Gesetzlosigkeit, Blödheit, Frechheit, Angeberei und noch Vieles mehr an den Kopf. Als nun die beiden Wölfe - die ja auch nicht auf den Mund gefallen sind - anfangen, die Bandarlogs zu beschimpfen und andere Dschungeltiere anlocken, die lautstark mithalten, ziehen diese Feiglinge von Affen den Schwanz ein und verdrücken sich wieder in ihre Baumwelt. "Ich muss immer noch lachen, wenn ich an ihre blöden, ängstlichen Gesichter denke," schließt Mang - wieder laut lachend - seine Erzählung. Dann ersucht er die Kinder, für ihn diese Szene noch einmal zu spielen, damit er wieder etwas zu lachen hat, bevor er sich wieder in seine Traumwelt zurückzieht (schließlich ist es heller Tag, eine Zeit, in der Fledermäuse eigentlich schlafen sollten.).

Auf Wunsch Mangs verwandeln sich alle Kinder in Affen und andere Dschungeltiere (Verhältnis 1:3 zu Gunsten der Dschungeltiere), ein/e FührerIn in Mogli – andere Erwachsene in Affen. Während sich die Kinder verwandeln (Hände und/oder Gesicht bemalen), ein Band (einheitliche Farbe für die Affen) um den Kopf wickeln, reden die FührerInnen mit ihnen: Mang geht mit den Dschungeltieren böse Schimpfworte durch und lässt Ausdrücke, wie Asoziale, Nichtstuer, Kinderschänder usw. einfließen. Außerdem erklärt er den Kindern, dass sie sich auf keine Diskussionen mit den Affen einlassen sollen - man kann ja mit Bandarlogs nicht vernünftig reden, wie ja jede/r weiß. Mogli gesellt sich zu den Bandarlogs und erklärt ihnen eindringlich, alles zu versuchen, die Dschungeltiere davon zu überzeugen, dass ihre Vorwürfe nicht stimmen - außerdem sollten sie überlegen, was sie sagen, denn diese sind in der Mehrzahl. Sie sollten möglichst nur Formulierungen gebrauchen, wie: "Wir haben ja Gesetze" - "Wir sind keine Nichtstuer" - "Ihr seid gemein" - "Ihr seid unfair" - "Lasst uns doch ausreden" - "Das sind alles Lügen". Beide Parteien werden darauf aufmerksam gemacht, dass es nur eine Auseinandersetzung mit Worten gab - und keine durch Taten und das dies auch bei dieser Vorführung so sein muss.

Nun beginnt das Theater. Mang lehnt sich zurück und genießt die Vorführung. Wenn es nötig ist, hilft er den Dschungeltieren in ihren verbalen Attacken. Mogli beobachtet die Szene und greift nur ein, wenn die Affen - verbal - angreifen sollten. Bevor die Szene ausufert (oder langweilig wird), wird sie von Mogli unterbrochen, denn er hält es nicht mehr aus. Er stellt den Kindern einige Fragen: Wie ihnen das Spiel gefallen hat - wie den Dschungeltieren - wie den Affen - und warum ihre Antwort so ausfällt. Warum sie glauben, dass die Affen Dschungeltiere mit Kokosnüssen bewerfen? Warum die Bandarlogs von den Dschungeltieren als Gesetzlose bezeichnet werden? usw.

Nun erklärt Mogli, er hätte sich über Affen genauer informiert. Einige dieser Informationen stellt er den Kindern zur Verfügung. Mang hält sich während dieses "Frage- und Antwortspiels" möglichst zurück - und mischt sich nur ein, wenn er dies als notwendig erachtet, bis Mogli zu den Unterlagen, also Informationen über die Bandarlogs kommt. Verständnislos macht er Mogli darauf aufmerksam, dass es völlig unnötig ist, Informationen zu sammeln, schließlich weiß er, Mang, alles über Bandarlogs von seinen Eltern und diese von ihren Eltern und alle Dschungeltiere wissen, wie Bandarlogs sind. Etwas, das alle wissen, muss wahr sein - warum also Informationen? Wenn "alle" etwas behaupten, heißt das noch lange nicht, dass das auch stimmen muss. Und so wird das Material gemeinsam nach der Haltbarkeit der Vorwürfe überprüft, wobei auch Mang beginnt, sich dafür zu interessieren und an Mogli Fragen stellt, sofern diese dem Ziel dieses Abschnitts, mit den Kindern einen Schritt weg von Vorurteilen zu gehen, dienlich sind. Mang ist nun beeindruckt und sehr nachdenklich und bedankt sich bei den Kindern für ihren Besuch und für eine Erkenntnis, die er ohne sie nie gehabt hätte - und er bedankt sich auch bei Mogli, der ja die Informationen über die Bandarlogs gesammelt hat.

Auch wenn das Ganze eine ernste Angelegenheit war und ist, sagt Mang, findet er doch, dass alle eine Jause verdient haben - und lädt Dschungeltiere, Bandarlogs und Mogli dazu ein - er ist momentan sowieso nicht in der Lage, einzuschlafen. Da Mang ein begeisterter Tänzer ist, bittet er die Kinder um ein Abschiedsgeschenk – "Würdet ihr mit mir tanzen? Vielleicht sogar den Kaatanz?" fügt er hoffnungsvoll hinzu. Mangs Wunsch wird entsprochen.

Dann "beamen" sich die Kinder zurück oder benützen eine andere Art des Reisens, die recht schnell geht.

Hinweise

  • Grundsätzlich ist es wichtig, bei Diskussionen mit Kindern (und nicht nur mit Kindern) einen Bezug zu ihnen und ihren Erfahrungen und Erlebnissen herzustellen - und zwar durch konkrete Fragen.
  • Da Vorurteile schwer über das Hirn ausgeräumt werden können, sollten die Kinder in diversen anderen Heimstunden die Gelegenheit haben, Vorurteile im Allgemeinen und im Besonderen über das Gefühl abzubauen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Helfen können ihnen dabei in erster Linie kleine Szenen, die von ihnen selbst gespielt werden.
  • Zum Thema Vorurteile bietet sich z. B. sofort die Situation der "Zigeuner" (Roma und Sinti) an, schließlich sind vier von ihnen in Österreich ermordet worden. Eine der Ursachen des Rassismus sind Vorurteile. Es ist überaus hilfreich und zielführend, die Kinder über Personengruppen, denen von einem Teil der Gesellschaft Vorurteile entgegengebracht werden, aufzuklären. Die Fakten dazu musst natürlich in erster Linie du sammeln und (das ist besonders wichtig) über das Erleben, also mit Spielen, Nachspielen von Geschichten und deren Aufarbeitung vermitteln. Dafür eignen sich natürlich (unter anderem) Sondertreffen.
  • Ob Du die Kinder in die Rolle von Indianern oder Zigeunern, Massai, Chinesen, Indern - oder Gastarbeitern, Asylanten, Behinderten schlüpfen lässt - informier’ Dich vorher über diese Gruppen.
  • Geh’ sicher, dass Du auch Fakten findest (und das wirst Du, glaub’ es mir), die den Kindern zeigen,
    • dass es immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen gibt.
    • dass niemand besser, klüger, schöner, gebildeter usw. ist als jemand anders, nur weil er oder sie einer bestimmten Gruppe angehört - aber auch nicht umgekehrt.
    • dass Ablehnung oder Sympathie nichts mit Gruppen-, Volks- oder Rassenzugehörigkeit zu tun haben soll.
    • dass ein/e DiebIn, MörderIn oder BetrügerIn nicht stiehlt, mordet und betrügt, weil er/sie einer bestimmten Gruppe, einem bestimmten Volk oder einer bestimmten Rasse angehört.
    • dass es sehr wohl Unterschiede gibt, die zu bewerten aber niemand das Recht hat.

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