Unsere Rahmengeschichten - Waldenland und Dschungel

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Version vom 24. November 2007, 00:01 Uhr von Tobias (Diskussion | Beiträge) (Entwicklungspsychologische Hintergründe oder warum Rahmengeschichten wichtig sind)
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Puck und Mogli

"Ich spiele nicht! Ich bin."

Das hast du sicher schon erlebt: Wenn Kinder vollkommen vertieft in eine wundersame Phantasiewelt sind, wird ein Bleistift zur Lanze, ein Topf zum Helm, ein Baum zum Pferd und sie selbst werden zu Heldinnen und Helden. Sie spielen nicht, sie sind diese Figuren – auch wenn sie sehr wohl wissen, dass das Erfundene nicht Wirklichkeit ist.

Unsere Rahmengeschichten sind umfangreiche Erzählungen, die in einer phantasievollen Umgebung spielen. Sie bilden, wie der Name schon sagt, den Rahmen und/oder Hintergrund für deine gesamte Arbeit und bieten allerlei Geschichten, Lieder, Tänze, Symbole und Geheimzeichen. Dadurch, dass die Kinder immer wieder in eine vertraute Phantasiewelt eintauchen, kannst du ihnen Spiele und Situationen leicht und ohne lange Erklärungen nahe bringen. Dabei stellst du keine "Scheinwelt" als Realität vor. Du bietest den WiWö vielmehr kindgerechte Bilder und Symbole für Verhaltensmuster und Gesellschaftsmodelle, die sie leichter verstehen können als theoretische Lebenskonzepte und Ideale. In der WiWö-Arbeit nehmen die Rahmengeschichten eine besondere Stellung ein und unterscheiden sich grundlegend von einer "Spielgeschichte", die nur kurzfristig verwendet wird und einen entsprechenden Einstieg benötigt.

In diesem Behelf geben wir dir zahlreiche Tipps, wie du mit den Rahmengeschichten arbeiten kannst. Auch in diesem Kapitel gibt es dazu noch jede Menge Anregungen und Informationen.

Auf den nun folgenden Seiten erhältst du aber vorher noch Hintergrundinformationen: Woher die Rahmengeschichten kommen, warum wir sie bei den WiWö verwenden und was du mit ihrer Hilfe alles vermitteln kannst. Wir versuchen damit die immer wieder gestellten Fragen zu beantworten, ob Rahmengeschichten denn überhaupt noch zeitgemäß sind, ob das Dschungelbuch nicht zu brutal, die Wichtelgeschichte zu verwirrend ist oder welche Geschichte du verwenden sollst, wenn du WiWö gemeinsam in einer Heimstunde hast.


Entwicklungspsychologische Hintergründe oder warum Rahmengeschichten wichtig sind

Wir haben dir schon einiges über Kinder im WiWö-Alter erzählt. Durch den Einsatz einer Rahmengeschichte deckst du viele ihrer natürlichen Bedürfnisse ab und gehst auf Eigenheiten ein, die den Kindern in diesem Alter entsprechen.

Wenn ich mich wo auskenn', dann kann mir nix passieren!

Je mehr die WiWö über den Dschungel oder das Waldenland erfahren, je mehr sie dort gemeinsam erleben, desto vertrauter werden ihnen die Figuren und Szenarien. Es bereitet ihnen auch kein Problem, sich vermeintlich komplizierte Namen zu merken. Ganz im Gegenteil: Es entsteht eine angenehme Atmosphäre, ein fester Rahmen, ein Umfeld in dem sich die WiWö zurechtfinden, auf das sie sich verlassen können und das ihnen dadurch die Sicherheit bietet, die sie unbedingt brauchen. Auch für dich bieten die Rahmengeschichten einen konstanten Schauplatz von Geschichten mit bestehenden Ordnungen (Regeln) auf den du immer wieder zurückgreifen kannst. Du ersparst dir langwierige Einführungen und kannst sehr schnell zum Wesentlichen kommen.

Ich spiele nicht! Ich bin.

WiWö spielen die Rollen nicht, die sie übernehmen – sie leben sie, sie sind sie. Auch wenn sie sehr wohl wissen, dass das Erfundene nicht Wirklichkeit ist, identifizieren sie sich vollkommen mit ihrer Rolle. Diese Fähigkeit - aus Phantasie Realität zu machen - ist etwas, das Kindern in diesem Alter eigen ist und für deine Arbeit mit den WiWö immer wieder bedeutend ist. Durch diese Identifikation mit anderen Rollen können WiWö vor allem soziale Aspekte lernen. Es ist nämlich ein Trugschluss, dass Kinder in der "heutigen Zeit" weniger Phantasie haben "als früher" – es werden ihnen leider nur weniger Gelegenheiten geboten, sie zu entfalten. Durch den Einsatz der Rahmengeschichten bietest du ihnen einerseits diese Gelegenheit und andererseits einen angstfreien Raum, in dem sie verschiedene Verhaltensweisen ausprobieren können ohne negative Konsequenzen für sich persönlich befürchten zu müssen.

Wieso soll ich das nicht machen, der macht das auch immer!

WiWö beobachten ihre Umwelt sehr genau und übernehmen dann - ohne darüber nachzudenken - das Verhalten anderer. Auch die Einstellungen und Werte der Personen ihrer Umwelt werden unreflektiert übernommen. Durch die einzelnen Geschichten innerhalb der Rahmengeschichten können Verhaltensweisen bewusst hinterfragt werden, die Kinder erkennen die Parallelen und du kannst ihnen dadurch auch Werte vermitteln. "Abstrakte Begriffe"? Mit so komischen Wörtern kann ich nix anfangen. WiWö verstehen nur solche Begriffe, die sie im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen, also angreifen können. Soziales Lernen und die Annahme von Werten sind nur möglich, wenn sie die Inhalte mit ihren Erfahrungen verbinden können. Durch Geschichten und spannende Szenen aus dem Waldenland oder Dschungel machst du ihnen Abstraktes konkret.

Was'n das? Das will ich mir aber mal genauer anschauen.

WiWö sind neugierig, wissbegierig und entdeckungsfreudig. Ihr Lernen führt von Bekanntem zu Unbekannten, vom Vertrauten zu Neuem. In ihrer Offenheit sind sie sensibel und verständnisvoll. Puck und Mogli erfahren auch immer wieder Neues und erleben jede Menge Abenteuer. Dadurch stillst du die Wissbegierde der WiWö und erweckst immer wieder ihre Neugierde.

Die Vorteile der Arbeit mit Rahmengeschichten

Puck und Mogli
  • Für die WiWö entsteht ein fixer Rahmen und somit eine angenehme, vertraute Atmosphäre in der sie sich auskennen und sicher fühlen.
  • Die WiWö fühlen sich als Bestandteil einer Gemeinschaft.
  • Die Rahmengeschichten kommen der Neugierde, dem Wissensdurst und der Abenteuerlust der WiWö entgegen.
  • Wissensvermittlung funktioniert leichter durch phantasievolles Spiel.
  • Werte, abstrakte Begriffe und Soziales Lernen können den WiWö durch Geschichten behutsam nahegebracht werden.
  • Da die WiWö den Schauplatz der Geschichte und die handelnden Personen kennen, kannst du dich bei deinen Erklärungen auf das Wesentliche beschränken.
  • Auch Spiele mit einer komplizierten Erklärung werden durch eine Rahmengeschichte leichter verständlich.
  • Feierliche Zeremonien lassen sich gut innerhalb der Rahmengeschichten gestalten.

Inhalte und Erprobungen oder was du mit Rahmengeschichten vermitteln kannst

Du kannst fast alle Erprobungspunkte mit Hilfe der Rahmengeschichten vermitteln. Das können

  • Begriffe wie Gesetz, Versprechen, Wahlspruch, Gemeinschaft, Verlässlichkeit, Freundschaft, Mut,... usw.
  • Verhaltensformen wie sich an Regeln halten, Hilfsbereitschaft, "so gut ich kann", ein "gutes Wichtel/guter Wölfling" sein, mit Zorn umgehen, sparsam sein, Verantwortung übernehmen... usw.
  • Fertigkeiten wie Knoten knüpfen; Singen, Basteln, Malen, Theater spielen, Tanzen, Spielen; ... oder
  • Kenntnisse wie alles, was mit der Natur zusammenhängt; darüber wie man sich bewegt; über Kreativität; über andere Kulturen, den Jahreskreislauf,... usw.

sein.

Die Grenzen des Einsatzes der Rahmengeschichten liegen dort, wo es für die Kinder ganz besonders wichtig ist eine Situation realistisch einzuschätzen z.B. beim Telefonieren können, der Ersten Hilfe oder den Verkehrsregeln. Auch beim Schwerpunkt "Leben aus dem Glauben", wenn es um eine persönliche Beziehung zu Gott geht, solltest du auf Hintergrundgeschichten verzichten.


Methoden oder wie du mit Rahmengeschichten arbeiten kannst

Bevor du anfängst, mit einer Rahmengeschichte zu arbeiten, solltest du sie lesen – am besten mehrmals! Achte beim Dschungelbuch darauf, dass du wirklich eine Kipling-Ausgabe und nicht das von Walt Disney liest! Überlege dir schon beim Lesen, was alles in den Geschichten steckt.

Solltest du wenig Erfahrung in der WiWö-Arbeit haben oder noch nie mit Rahmengeschichten gearbeitet haben findest du weiter unten ganz konkrete Tipps zum Einsteigen. Das Vermitteln der Rahmengeschichten ist nämlich nicht einer von vielen Programmpunkten sondern soll sich vielmehr wie ein roter Faden laufend durch das ganze Programm ziehen. Statt einzelne Episoden herauszunehmen ist es in erster Linie wichtig, einen Gesamteindruck der Phantasiewelt Waldenland/Dschungel weiterzugeben. Das hat nichts mit Vorlesen zu tun! Weder die Wichtelgeschichte noch das Dschungelbuch wurden für Kinder als Lesebücher geschrieben. Daher ist es auch hier wieder erforderlich, den jeweiligen Inhalt in einer kindgerechten Art und Weise zu "verpacken".

Die Methoden dazu sind nicht anders als sonst in deiner Arbeit mit den WiWö – Spielen, Basteln, Zeichnen, Darstellen, eine Wandzeitung, Pantomime, Rollenspiele usw. Weiter unten findest du dazu auch noch einige Tipps. Einen besonderen Stellenwert nehmen aber sicher Tänze, Lieder und Rituale aus dem Waldenland/Dschungel ein. Darum haben wir ihnen besonderen Platz in diesem Kapitel gegeben.

Achte auf einen guten Ein- und Ausstieg, damit allen WiWö klar ist, wann sie in die Phantasiewelt eintauchen bzw. wieder "zurückkommen". Und noch etwas: Du musst dich nicht genau an die vorhandenen Episoden halten, sondern kannst ohne weiteres deine eigenen 'Geschichten erfinden und einbringen! Die Rahmengeschichten sollen dir Hilfe sein, und nicht eine hundertprozentige Vorschreibung, von der du nicht abweichen darfst.

Tipp: In das Waldenland/den Dschungel "einsteigen"

Wenn du anfangen möchtest die Rahmengeschichte in deinem Volk/ deiner Meute einzuführen, ist der beste Start natürlich eine Geschichte:

Im Waldenland die Szene am Teich, als Puck noch Amona hieß - ihre zappelige Neugier, was wohl mit Rana passieren wird - ihr Sturz ins Wasser und die Rettung durch die Seebilben. Im Dschungel die Dorfszenerie, als Mogli noch Nathu hieß und Shir Khan, der wieder einmal auf Menschenjagd geht.

Im Anschluss an die jeweilige Geschichte rede mit den Kindern über:

Im Waldenland:

  • ob sie schon einmal Enten und ihre "Kinderstube" beobachtet haben,
  • was sie von Amonas Idee halten,
  • ob sie sich vorstellen können, wie klein diese Wichtel sind,
  • und ob es ihrer Meinung nach ein solches Land wirklich gibt
  • usw.

Im Dschungel:

  • ob sie schon einen Tiger gesehen haben und wo,
  • wie sie sich einen Dschungel vorstellen und ob es so etwas überhaupt noch gibt,
  • warum sich ihrer Meinung nach Nathu vor den Wölfen nicht gefürchtet hat
  • usw.

In der nächsten Heimstunde kannst du dann mit der erzählten Geschichte arbeiten. Du kannst

  • fragen, was die WiWö noch von ihr wissen.
  • die WiWö zeichnen lassen, an was sie sich noch erinnern.
  • fragen, wer sie nachspielen möchte.
  • ein ganz gewöhnliches Spiel in das Waldenland oder den Dschungel versetzen.

Das nächste Mal kannst du das Waldenland oder den Dschungel mit den bereits bekannten "Figuren" in einer Collage oder einem Plastilin-Szenario (oder was immer dir dazu einfällt) gestalten lassen.

Und so kannst du nach und nach Geschichten erzählen, die das Bild ergänzen. Wenn du Spiele und Erprobungen durch passende Geschichten belebst und Sondertreffen im Waldenland/im Dschungel spielen lässt, wird die Rahmengeschichte bald eingespielt sein.

Dann ist es auch kein Problem mehr, Neulinge einzuführen, denn diesen kannst du oder ein älteres Kind nebenher die einzelnen Szenen bzw. Geschichten erzählen und durch einfaches Mittun am Programm werden sie auch bald zu InsiderInnen.

Tipp: Mit beiden Rahmengeschichten arbeiten - Koedukation

Puck und Mogli

Führst du koedukativ (Wichtel und Wölflinge gemeinsam), erzähle beide Geschichten und arbeite mit beiden, wobei du durchaus einer den Vorzug geben kannst. Bedenke aber bitte immer, dass ein Mädchen zwar kein Problem damit hat, sich mit einem männlichen "Helden" zu identifizieren, unbedingt aber weibliche Vorbilder braucht! Ein Bub kann es umgekehrt auf keinen Fall! Die beiden Geschichten können auch vermischt werden. Die Figuren der einen können in der anderen auftreten, das ist kein Problem. Kombiniere ruhig Waldenland und Dschungel, erfinde neue Gestalten, forme die Rahmengeschichte so, wie du sie brauchen kannst und verwende sie als Kulisse für deine Aktivitäten.

Tipp: Erzählung

Die Erzählung ist in dieser Altersstufe sicher eine der beliebtesten Methoden, etwas weiterzugeben. Wenn du darin weniger geübt bist, dann mach dir einfach ein paar Notizen auf einem Zettel. Vermeide bitte unbedingt das Vorlesen – unsere Rahmengeschichten sind keine Lesebücher! Achte darauf, dass

  • deine Erzählung nicht länger als 5 – 10 Minuten dauert.
  • deine Ausdrucksweise den Kindern angepasst ist, d.h. verwende nur Wörter, die sie kennen bzw. versichere dich bei schwierigen Wörtern, ob sie sie verstehen.
  • dein Erzählen nicht monoton ist. Das erreichst du am besten dadurch, dass du lauter und leiser bzw. schneller und langsamer erzählst – je nach Szene in der Geschichte. Du kannst auch lebendiger erzählen indem du versuchst, den einzelnen Figuren verschiedene Sprechweisen zu geben.

Um die Aufmerksamkeit der Kinder zu steigern kannst du deine Erzählung auch hin und wieder unterbrechen und Zwischenfragen stellen. Versuche auch, die Geschichten zu beleben oder zu illustrieren. Das kannst du z.B. dadurch, dass die WiWö die Geräuschkulissen übernehmen oder bei Nennung einer vorkommenden Person diese nachspielen, pantomimisch darstellen oder kommentieren. Im Dunkeln sind manche Erzählungen viel spannender oder besinnlicher – bei Gute-Nacht-Geschichten schlafen dann manche Kinder schon während der Geschichte ein.

Auf welche Art und Weise du tatsächlich erzählst, hängt von der Situation ab. Beim Erzählen kannst du die Kinder beobachten und auf ihr Verhalten reagieren, beim Vorlesen konzentrierst du dich womöglich zu sehr auf den Text. Für einzelne Passagen kann es aber durchaus passend sein, sie wortwörtlich vorzulesen.



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Literatur

  • Peter Inge: Puck sucht ihren Namen (Allzeit-Bereit-Verlag) Scout Shop
  • Kipling Rudyard: Das Dschungelbuch (dtv Tb. 1200) ISBN 3-423-01200-5
  • Sendak, Maurice: Wo die wilden Kerle wohnen (Diogenes) ISBN 3-257-00513-X