WiWö-Zeremonien

Aus WiWöPedia
Version vom 27. Juli 2007, 20:05 Uhr von Gerald (Diskussion | Beiträge) (Verleihungen von Sternen und Spezialabzeichen)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wir haben schon beschrieben, dass wir durch Zeremonien einen Schritt des Kindes und damit Veränderungen innerhalb der Gemeinschaft feiern. Sobald du eine Zeremonie planst, musst du ganz sicher sein, das alle Kinder genau um ihre Bedeutung wissen. Jede Geste, jedes Wort und jedes Zeichen/Symbol müssen allgemein verständlich sein.

Zeremonien sollen kurz und abwechslungsreich sein. Die wichtigsten Personen dabei sind die Kinder, und sie können sich (in dieser Altersstufe bekanntlich) maximal eine halbe Stunde auf eure Feier konzentrieren. Vermeide daher lange Einleitungen, langweilige Reden oder den Einsatz zu vieler verschiedener Symbole.

Die Zeremonie soll sich auf einen Kern oder ein zentrales Thema beschränken. Es steht ja der Schritt des einzelnen Kindes im Vordergrund. Es ist daher nicht besonders günstig, eine "Massenversprechensfeier" oder endlose Spezialabzeichenverleihungen abzuhalten, da du dabei niemals auf das einzelne Kind eingehen kannst.

Die Grundelementen einer Zeremonie sind

  • die Einleitung (der Grund der Zeremonie, Geschichte aus dem Waldenland/Dschungel, das Schaffen der Atmosphäre)
  • der Höhepunkt (den Schritt des Kindes verdeutlichen)
  • der Abschluss (das Erleben der Gemeinschaft, neue Position des Kindes verdeutlichen)

Dabei wirst du sicher die Traditionen und Besonderheiten deiner Gruppe einfließen lassen. Das findet dann in symbolischen Gesten, speziellen Liedern oder "Ansprachen" seinen Platz. Diese zusätzlichen Elemente müssen natürlich ihre Bedeutung haben und eine passende Ergänzung zum zentralen Kernthema der Feier sein. Du wirst sicher darauf achten, dass sie keine Verfälschung der eigentlichen Zeremonie bedeuten.

Eine Zeremonie wird besonders eindrucksvoll, wenn die Vorgänge für alle transparent und nachvollziehbar sind:

  • Jedes zu ehrende Kind kann daran ruhig und angstfrei (vor eventuellen Pannen gefeit) teilnehmen und sich ganz auf den Inhalt der Feier, und nicht auf einzelne Worte oder Bewegungen, konzentrieren.
  • Alle anderen Kinder tragen - richtig eingestimmt – durch ihre Einbindung in die Zeremonie das Ihre bei.
  • Wenn wirklich Gäste anwesend sind, müssen auch diese um die Bedeutung der Zeremonie bereits Bescheid wissen, um dann den Verlauf nicht zu stören. Das ist besonders für Versprechensfeiern wichtig. Wir empfehlen dir, diese Zeremonie nur innerhalb deines Volkes/deiner Meute zu gestalten, und dann bei der nächsten gemeinsamen Gruppenaktivität die neuen Mitglieder eurer PfadfinderInnengruppe vorzustellen. Filmende oder fotografierende Eltern sind oft sehr störend, weil sie die Kinder ablenken.
  • Für dich ist daher eine gute Vorbereitung und stimmungsvolle Durchführung der Zeremonie ein Muss. Dazu trägt auch das Tragen einer kompletten Uniform bei, weil es das Zusammengehörigkeitsgefühl fördert und optisch einen würdigen Rahmen liefert. (Ein früherer Gesetzespunkt hieß übrigens: "Ein Pfadfinder macht nichts halb.")


Vorüberlegungen

Der richtige Zeitpunkt für eine Zeremonie ist dann, wenn das Kind bereit und gut vorbereitet ist. Der Zeitpunkt eines Versprechens, einer Verleihung soll für das Kind möglichst bald nach Erfüllung aller Voraussetzungen erfolgen. Daher musst du in deiner Jahresplanung darauf achten, dass geeignete Gelegenheiten wie Ausflüge, Wochenendlager oder besondere Heimstunden über das ganze Pfadfinderjahr so gelagert sind, dass kein WiWö zu lang auf seine Zeremonie warten muss. Auch wenn ein Kind zum Zeitpunkt seiner Feier erkrankt sein sollte, musst du nach einer anderen guten Möglichkeit suchen. Es ist keine gute Idee, Zeremonien als "lastminute"- Programm an das Ende eines Heimabends/Ausflugs/Lagers zu planen, weil nicht mehr alle in Ruhe daran teilnehmen können oder auch dann schon nicht erwünschte ZuschauerInnen dabei sind. So eine Zeremonie soll ja ein Höhepunkt auf dem Weg der WiWö sein.

Der passende Ort für unsere Zeremonien ist sicher im Freien, mitten in der Natur oder an einem besonderen Ort. Auch hier wirst du einiges vorher abklären:

  • Zeremonien im Freien bedeuten nicht, 20 oder 30 Minuten in der prallen Sonne, im Regen, bei Schnee oder Minusgraden, oder umgeben von Gelsen- oder Mückenschwärmen. Jedes Kind wird sich aber gern an eine Zeremonie in einer Mondnacht, bei einem Sonnenuntergang oder strahlenden Sonnenaufgang erinnern.
  • Auch Höhlen, sauber gefegt und vielleicht sogar noch dekoriert, bieten sich an.
  • Kleine Kapellen oder Kirchen, Schlösser, Burgen, Ruinen, etc. können auch einen schönen, unvergesslichen Rahmen bilden.
  • Völlig ungeeignet ist ein öffentlicher Platz, in der Stadt oder auch ein Park, weil die Zeremonie etwas ganz Eigenes und Besonderes ist und dort die intime Atmosphäre fehlt. Neugierige ZuschauerInnen können die Zeremonie empfindlich stören. Außerdem sind diese Feiern keine Bühnenstücke für andere, und die Kinder zu diesem Zeitpunkt keine SchauspielerInnen oder ZuschauerInnen bei einer Show.

Vorbereitungen

Um die Zeremonie als "Gesamtkunstwerk" zu gestalten, ist hier eine Checkliste:

  • Alle tragen eine saubere, komplette Uniform.
  • Alle Dinge (Totems, Fahnen, Abzeichen, Halstücher, Urkunden,...) die für die Zeremonie wichtig sind, müssen griffbereit vorbereitet sein.
  • Alle beteiligten LeiterInnen und WiWö wissen um den genauen Ablauf: was sie tun müssen, wohin sie sich stellen müssen. Das verhindert jedwede Peinlichkeit.
  • Die wichtigen Gäste wie z.B. GruppenleiterInnen, Kuraten, usw. sind alle eingeladen und du überprüfst, ob sie sicher pünktlich kommen können.
  • Der Ablauf muss eine gewisse Dynamik beinhalten damit die Zeremonie zwar feierlich, aber nicht stimmungstötend empfunden werden kann.
  • Der ganze Ablauf muss ein fortlaufender Prozess sein, mit verständlichen Übergängen, ohne störende Unterbrechungen. Es bedarf keiner/keines besonderen ZeremonienmeisterIn. Die Kinder sind ja auf ihre Bezugsperson – also auf dich - fixiert. JedeR LeiterIn soll sich ihre/seine Worte im Vorfeld genau überlegen und mit den anderen absprechen.
  • Während der Zeremonie sollen gut geübte, passende Lieder gesungen werden. Das Singen fördert nicht nur das Mittun aller, sondern hilft auch, sich dann wieder besser konzentrieren zu können.
  • Jedes/jeder WiWö sollte in die Zeremonie eingebunden sein: alle sollen mitsingen können, applaudieren, rufen, usw. - immer aktiv und fröhlich, aber nicht ausgelassen.

Durchführung

Alle Zeremonien sollen die wundervollen Ideen, die dahinterstecken einfach darstellen. Drücke dich daher verständlich, natürlich aus. Alles soll ganz aus deinem Herzen kommen, und die WiWö direkt ansprechen. Auch hier wieder einige Punkte, die du berücksichtigen sollst:

  • Verwende nur einfache Symbole.
  • Deine WiWö dürfen sich natürlich bewegen.
  • Verwende eine einfache, natürliche Sprache (kein Theater!).
  • Lächle und deine Freundlichkeit überträgt sich auf die WiWö. Sie fühlen sich sicher und froh. Trotzdem soll feierlicher Ernst über der Zeremonie liegen.

Tipp: Im Folgenden haben wir dir immer wieder Beispiele von Zeremonien angegeben. Sie stammen größtenteils aus schriftlichen Arbeiten von WiWö-LeiterInnen, die in den letzten Jahren den Woodbadgekurs besucht haben. Sie sollen aber keine "Kochrezepte" zum Nachmachen sein, sondern dir vielmehr die Vielfalt der Möglichkeiten zeigen, solche Feiern zu gestalten. Je mehr du deine Zeremonien ganz persönlich gestaltest, umso mehr werden sie unvergessliche Erlebnisse für deine WiWö.

Das WiWö-Versprechen

Auf dem Weg zum Versprechen hat dein WiWö die Gemeinschaft und ihre Regeln kennengelernt. Es/er hat sich entschieden, dass es bei dieser Gemeinschaft dabei bleiben will. Auch die anderen haben das "neue" Kind kennen gelernt und entschieden, dass es in ihr Volk/in ihre Meute aufgenommen werden soll. Bei der Gestaltung der Feier dazu gibt es natürlich jede Menge Möglichkeiten. Ein paar Beispiele haben wir dir unten vorgestellt.

Mögliche Elemente einer Versprechensfeier

  • Geschichte aus dem Waldenland/Dschungel
  • Kurze persönliche Vorstellung der Kinder, die in die Gemeinschaft aufgenommen werden sollen
  • Ritual des "Versprechen-Gebens"
  • Bezug herstellen für die anderen WiWö (Erinnern an das eigene Versprechen; etwas Vornehmen, etc.)
  • Namensgebung (wenn üblich) und Begründung
  • Symbolischer Empfang im Volk/in der Meute (Großer Eulenruf/Großes Geheul; Ruf, Lied, etc.)

Eine Sache möchten wir dir aber ganz besonders ans Herz legen: Das Kind gibt sein Versprechen in deine Hand und verpflichtet sich damit dir – als Person – sich zu bemühen. Es kann sich noch keiner Idee verpflichten, das ist viel zu abstrakt. WiWö sollten daher das Versprechen auf keinen Fall auf eine Fahne oder ähnliche Symbole ablegen.

Beispiel: Eine Versprechensfeier für Wölflinge

Du bist mit deiner Meute an einem geeigneten Ort. Dort bilden die Wölflinge einen großen Kreis. Der Neuling, der das Versprechen ablegen wird, befindet sich noch außerhalb. Ein/e LeiterIn holt ihn in den Kreis und führt ihn vor die anderen LeiterInnen. Dann kann folgender Dialog stattfinden: LeiterIn: Willst du in unsere Meute aufgenommen werden? Wö: Ja, ich will. LeiterIn: Kennst du das Gesetz der Wölflinge? Wö: Ich kenne es. LeiterIn: Ich bitte dich, es uns laut zu sagen. Wö: "Der Wölfling ...." LeiterIn: Nun wirst du dein Versprechen in meine Hand ablegen. Dazu bitte ich alle, zu grüßen und noch einmal an eure eigene Versprechensfeier zurückzudenken. Während nun alle Grußhaltung annehmen, legt der Wölfling seine linke Hand in die linke Hand der/des Leiters/In und spricht laut das Versprechen. Anschließend erhält er das Halstuch, während die/der LeiterIn ihn als neues Mitglied der Meute, der Gruppe, der PPÖ und der weltweiten Pfadfinderbewegung begrüßt. Nun folgt das Große Geheul als Begrüßung für den Jungwolf, der entweder mit der/m LeiterIn in der Mitte des Kreises stehen darf oder auch zum ersten Mal so richtig daran teilnimmt.

Beispiel: Versprechensritual

Bevor ein WiWö bei uns in der Gruppe das Versprechen in die Hand der Führerin/des Führers ablegt, ist nachstehendes Ritual üblich. (...) Die "Kinder-Sätze" werden dabei von WiWö gesprochen, die das Versprechen schon gegeben haben. Sie erhalten dazu Kärtchen, bei denen ihr Satz jeweils farbig markiert und die Reihenfolge angegeben ist. (Anm.: Beschreibung leicht geändert) FührerIn: Was macht dich wirklich zu einem Wichtel oder Wölfling? Kind: Ist es, dass du die Wichtelgeschichte kennst? Kind: Sie erzählt dir über Wichtel. Kind: Ist es, dass du das Dschungelbuch kennst? Kind: Es erzählt dir über Wölflinge. Kind: Aber: Jeder kann dir die Wichtelgeschichte oder das Dschungelbuch erzählen. Kind: Ist es deine Uniform? Kind: Du schaust aus wie ein Wichtel oder Wölfling. Kind: Aber: Deine Eltern kaufen dir eine Uniform. Kind: Ist es unsere Heimstunde? Kind: Du fühlst dich wie ein Wichtel oder Wölfling. Kind: Aber: Deine FührerInnen zeigen dir, was in der Stunde zu tun ist. FührerIn: Ist es dein Versprechen? Versprechenskandidatinnen: Ja! FührerIn: Ja, denn niemand anderer als du selber kann das Versprechen ablegen!

Beispiel: Versprechensfeier

Jeder Versprechensanwärter schreibt vor dem Abmarsch zum Ratsfelsen eine Schwäche, die ihm an sich selbst auffällt und die er nach dem Versprechen hinter sich lassen will, auf einen Zettel. Diesen Zettel darf niemand außer ihm sehen. Es darf auch niemand wissen, was auf dem Zettel steht – das ist seine ganz persönliche Sache, die er nur mit sich selbst ausmacht. (...) Am Ratsfelsen angelangt, stellt sich die Meute rudelweise in einem Halbkreis auf. Die Anwärter stehen direkt bei ihrem Leitwölfling, die Führer stehen auf der offenen Seite des Kreises. Sie rufen die beiden ältesten Leitwölflinge zu sich und erteilen ihnen die Ehre während der Zeremonie die Gruppenfahne halten zu dürfen. Dann eröffnen die Führer den Meutenrat. Sie erklären, dass es neue Wölflings-Anwärter gibt, rufen sie in den Kreis und stellen sie vor. Danach hat jeder Wölfling die Möglichkeit ein paar Worte über die Neulinge zu sagen (Achtung: Es dürfen nur positive Meldungen kommen) oder ihnen seine Wünsche mit auf den Weg zu geben. Bevor die Redeflut der Kinder verebbt, übernehmen die Führer wieder das Wort und stellen die Frage an die Meute, ob sie die Neulinge aufnehmen will, ob sie sich vorstellen kann, dass die Neulinge eine Bereicherung für die Meute darstellen. Danach werden auch die Neulinge gefragt, ob sie sich vorstellen können zu dieser Meute zu gehören. Ist dies alles geschehen, erklären die Führer noch einmal, dass ein Versprechen eine sehr ernste Angelegenheit ist, (...). Nun legen die Versprechensanwärter ihre linke Hand in die linke Hand des Führers, dieser fordert alle auf zu grüßen (...) und spricht dann den Neulingen den Versprechenstext vor. (...), die Neulinge erhalten ihre Halstücher, werden von den Führern beglückwünscht und begrüßen dann jedes Kind in der Runde. Ist all dies geschehen, stellen sich die Jungwölfe wieder zu ihren Rudeln und es wird als Abschluss ein Lied gesungen. (Anm.: Text leicht geändert)

Beispiel: Namensgebung

Im darauffolgenden Heimabend (Anm.: nach der Versprechensfeier) gibt es dann in einem kleinen Rahmen den neuen Namen. Absichtlich erst in einer Heimstunde, weil wir im Team die Meinung vertreten, dass es etwas sehr Geheimnisvolles ist, wenn nur die "Eingeweihten" daran teilnehmen dürfen. Wir bauen uns dann aus Tischen und Sesseln eine Art Höhle und sitzen darin. Ich erzähle den Kindern warum wir unsere Namen ändern. "Mit dem Versprechen bist du aufgenommen in unser Volk/unsere Meute und hast einen festen Platz in deinem Ring/Rudel. Unser gemeinsames Leben findet nun im Waldenland/Dschungel statt. Um den Außenstehenden zu zeigen, dass wir alle zusammengehören, tragen wir diese Namen. Sie sind etwas ganz Besonderes, weil keineR im Volk/in der Meute den gleichen Namen hat." Zuerst kommt eine Kluppe mit dem eigenen Namen in unsere Schatzkiste, dann bekommt jedes Kind seinen Namen und ich erkläre ihm die Bedeutung bzw. welches Lebewesen das ist. (...) Die Schatzkiste ist eine Holzkassette, in der alle Namen aufgehoben werden bis das Wichtel/der Wölfling überstellt wird und ihren/seinen Namen wieder bekommt.

Verleihungen von Sternen und Spezialabzeichen

Die Sterne stellen die "Grundausbildung" der WiWö dar und orientieren sich an den acht Schwerpunkten bzw. den jeweiligen Schwerpunktzielen. Die Spezialabzeichen sind Vertiefungen in einem Schwerpunkt. Tausendsassa und SpezialistIn drücken aus, dass ein WiWö mehrere Spezialabzeichen erworben hat, Tanzendes Wichtel/Springender Wolf sagen auch etwas über das Verhalten und die Vorbildwirkung eines Kindes aus.

Mögliche Elemente einer solchen Verleihung

  • Geschichte aus dem Waldenland/Dschungel
  • Präsentation eines Gegenstandes, den das Kind während des Ablegens hergestellt oder einer Geschichte, die es erlebt hat,...
  • Wenn nötig, Erklärung der Bedingungen für diese Verleihung
  • Symbolisches Sichtbar-Machen des Fortschrittes dieses Kindes
  • Einbeziehung der Gemeinschaft (Lied, Freudentanz, Ruf, etc.)

Beispiel: Aus einer Sternverleihung für Wölflinge

"Wenn ein kleiner Wolf auf die Welt kommt, dann sind seine Augen geschlossen. Er liegt in seiner Höhle bei seiner Mutter und seinen Geschwistern und ist ganz geborgen. Sein Vater kümmert sich um sein Futter und es kann ihm nichts passieren. Schön langsam öffnen sich dann die Augen des kleinen Wolfes, er lernt auch schon zu gehen und untersucht mal ziemlich tollpatschig seine Höhle. Dann traut er sich auch schon hinausschauen aus der Höhle und erkundet vorsichtig seine Nähere Umgebung. Aber bei jedem Geräusch, das er nicht kennt, läuft er schnell wieder zurück zu seiner Mama. Langsam wird er immer neugieriger, er streift schon weitere Wege durch den Wald, er beschnüffelt Pflanzen und Tiere, er versucht selber ein bisschen zu jagen. Hin und wieder fällt er hin, manchmal tut er sich auch weh, aber meist ist seine Mutter in der Nähe und passt auf ihn auf. So kann er seine Erfahrungen machen und lernt immer mehr von der Welt und wie er sich alleine zurechtfinden kann. - Wir haben bei den Wölflingen Zeichen dafür, wie viel ein Kind von uns schon erforscht hat in seinem Leben. Das sind die Sterne. Wenn ein Jungwolf den ersten Stern erreicht hat, dann ist das so, wie wenn er seine Höhle genau kennt und schon ein bisschen mit der Nase rausschnuppert, was es sonst noch gibt. Es ist, wie wenn er ein Auge offen hat (dieser erste Stern) – er weiß schon viel, er hat viel erlebt, er kennt viel. Wenn er aber jetzt den zweiten Stern erreicht hat, dann sind beide Augen des Wolfes offen, dann hat er schon viel mehr erlebt, dann hat er schon alleine seine Erfahrungen weit außerhalb der Höhle gemacht, dann kann er schon viele Dinge alleine machen, wo andere noch die Hilfe von Erwachsenen brauchen. Zwei solche Wölflinge haben wir heute hier (...)"

Beispiel: Spezialabzeichen-Verleihung

Bei der Speziverleihung überlegen sich unsere WiWö immer vorher schon, welchen Gegenstand sie präsentieren wollen. Das können selber hergestellte Dinge, ein Plakat, ein Foto etc. sein, irgendwas, was sie halt für das Spezi gebraucht haben. Dann sagen wir ihnen vorher, dass sie sich ein-zwei Sätze überlegen sollen, warum sie dieses Spezi gewählt haben und was daran toll war. (Natürlich helfen wir ihnen dabei, wenn sie unsicher sind.) Speziverleihungen sind bei uns nicht ganz so feierlich wie Sternverleihungen oder Versprechen. Wir singen am Anfang ein passendes Lied, dass halt grade bei den Kindern in ist (damit sie den Text auch gut mitsingen können) und dann stellen die jeweiligen WiWö ihre "Arbeiten" vor. Immer direkt nach der Vorstellung erhält das Kind das Spezi von uns und einen Ruf von den anderen Kindern. Dann – wenn jetzt ein Kind SpezialistIn oder Tausendsassa geworden ist durch die Verleihung eines letzten fehlenden Spezis (wir reden da vorher gar nicht drüber) – kommt eine Bravo- Rakete abgewandelt als "Mooooooment mal!" – weil die WiWö glauben, dass die Verleihungen eigentlich schon aus sind. Wir sagen dann welches Kind, welche Spezis hat und dass es eben jetzt schon SpezialistIn oder Tausendsassa ist und geben ihm die entsprechende Urkunde. Zum Schluss klopfen wir uns im Kreis alle gegenseitig auf die rechte bzw. linke Schulter und sagen "gut gemacht".

Beispiel: Tanzendes Wichtel

Am SOLA haben wir Lampions gebastelt. Damit sind wir dann in der Dunkelheit zu einer kleinen Waldlichtung gegangen. Das war schon ziemlich "romantisch" und malerisch. Dort haben wir uns dann in einem Kreis aufgestellt. Wir haben den Wichteln gesagt, dass wir uns zu einem ganz besonderen Anlass hier aufgestellt haben und haben ihnen von der Wichtelnacht und dem Rat dºr Weisen erzählt. Dann haben wir gesagt, dass wir LeiterInnen auch einen "Rat" gehabt hätten – nämlich, wer von ihnen diesmal das "Tanzende Wichtel" erhalten soll. Wir haben von den Bedingungen gesprochen und dass es uns ziemlich leicht gefallen ist, die entsprechenden Kinder auszuwählen, da es ziemlich eindeutig gewesen wäre. (Anm.: In diesem Sommer haben alle Wichtel, die in Frage gekommen wären, das Tanzende Wichtel erhalten.) Die Wichtel waren mittlerweile mucksmäuschenstill, da es für sie sehr spannend war. Dann haben wir die Wichtel einzeln in die Mitte des Kreises gebeten und haben abwechselnd erzählt, warum wir glauben, dass gerade dieses Kind das Tanzende Wichtel bekommen soll. Wir haben jeweils eine Fähigkeit besonders betont (immer eine andere), die sie auch im Herbst bei den GuSp besonders einsetzen sollen, da sie das Abzeichen ja auch auf der Pfadfinderinnen- Uniform weiter tragen dürfen. Als Abschluss haben alle gemeinsam das Lied "Wir werden immer größer" gesungen. (Obwohl das ein "Hit" auf unserem SOLA war, bei dem normalerweise alle ziemlich laut gesungen haben, war es diesmal eher ein leiser, angenehmer Singsang, weil die Stimmung für alle so toll war.)

Überstellung

Der richtige Zeitpunkt

Im Alter von 10 Jahren ist ein Kind vielen Veränderungen von außen ausgesetzt. Durch den Schulwechsel ändert sich nicht nur der Freundeskreis (Cliquenbildung), sondern die Kinder sind auch einem höheren Leistungsdruck ausgesetzt. Außerdem müssen sie ihre persönliche Freizeit neu organisieren. Neben individuellen Interessen gilt es aus einem reichhaltigen Angebot von Freizeitorganisationen und Vereinen auszuwählen.

Unsere Erfahrung zeigt, dass Kinder in diesem Alter entwicklungspsychologisch gesehen nach einer neuen Bezugsperson verlangen und wesentlich größere Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung zeigen. Um diesen Bedürfnissen Folge leisten zu können, drängen sie in die Kleingruppe. Das ,,Leben in einer Phantasiewelt" (Spielidee/Rahmengeschichte) ist nicht mehr notwendig. Wir wollen und können dieser kindlichen Entwicklung nicht im Wege stehen sondern reagieren - ganz im Gegenteil - bewusst darauf, indem wir die WiWö-Stufe strukturell und methodisch von der GuSp-Stufe unterscheiden.

Wir haben laut Verbandsordnung Altersgrenzen für die Überstellung in die nächste Stufe vorgegeben. Bei den WiWö ist sie mit 10 Jahren vorgesehen. Die VO sieht aber "entwicklungsbedingte Ausnahmefälle" vor. Grundvoraussetzung für einen gelungenen Stufenübertritt ist, dass das Kind das Stufenziel erreicht hat. Es ist daher notwendig, dass du einerseits nach geeigneten Mitteln und Wegen suchst, das Stufenziel zu erreichen, (dazu steht ja genug in diesem Behelf!) andererseits dass du der Leitung der GuSp-Stufe deine Ziele verständlich machen kannst, d.h. "Sorge trägst, dass die Kinder dort abgeholt werden, wo sie hingebracht wurden"

Tipp:

Ein paar Kriterien, woran du erkennen kannst, dass ein WiWö bald "reif" für die Überstellung ist:

  • Das Kind hat gelernt, sich im Rahmen der Großgruppe zu behaupten und seine Meinung kundzutun.
  • Es ist ziemlich selbständig in seiner Alltagsroutine.
  • Es hat gelernt, Rücksicht auf Jüngere und Schwächere zu nehmen.
  • Es gibt Anzeichen der ausklingenden Phantasiespiellust. Spiele sind kindisch, Dschungel und Waldenland nur für "Babys". Spielen an sich ist aber noch sehr beliebt, da die körperliche Gewandheit nach wie vor gegeben ist.
  • Es treten starke Gefühlsausbrüche auf und die Rivalität verstärkt sich.
  • Es betont die eigene Person sehr stark. Das ist ein Zeichen für die Bereitschaft zur Kleingruppe.
  • Es hat gelernt, Freundschaften und Bindungen einzugehen.

Vor der Überstellung – "Das Netz"

Vor dem Stufenübertritt ist es notwendig, dass du einerseits Vorfreude weckst, um damit Ängste abzubauen und andererseits Informationen weiter gibst. Dabei werden alle Beteiligten - das Kind, die LeiterInnen und beteiligten Stufen, sowie die Eltern des Kindes - in ein ,,Kommunikationsnetz" verwoben.

Beide Stufenteams haben die Aufgabe, dass Thema ,,Überstellung" in ihren Stufen positiv zu thematisieren, d.h. über einen längeren Zeitraum hinweg Vorfreude auf die nächste Stufe zu wecken, d.h. die ,,Ankommenden" als Bereicherung zu sehen und nicht damit zu drohen. Beide Stufenteams haben die Aufgabe, untereinander wichtige und notwendige Informationen über die zu überstellenden Kinder auszutauschen. Dabei müsst ihr unbedingt beachten, dass ihr keine persönliche Wertungen abgebt. Die Eltern sind von beiden Stufenteams über Sinn und Ablauf der Überstellung zu informieren. Beide Stufenteams haben die Aufgabe, sich mit dem zu überstellenden Kind auseinanderzusetzen. Dabei liegt der Schwerpunkt der Sorge naturgemäß bei euch als WiWö-Leitung. Nehmt dem Kind auf der Gefühlsebene seine Ängste und weckt die Vorfreude auf die neue Stufe. Gib ihm - auf der sachlichen Ebene - genaue Informationen darüber, was es in der neuen Stufe erwartet. Wenn ihr alle diese Ebenen berücksichtigt, wird das auch bei den einzelnen Mitgliedern der WiWö- und GuSp-Stufe eine positive Einstellung zum Stufenübertritt erzeugen, d.h. die Kinder werden sich auf ihre eigene Überstellung und die GuSp auf die ,,Neuen" freuen.

Methodische Tipps zur Vorbereitung der WiWö

"Schnupperheimstunde"

Ein zu überstellendes Kind besucht gemeinsam mit der/m WiWö-Leiterln eine Heimstunde der GuSp, um die neue Leitung und die GuSp kennenzulernen. Es nimmt aktiv am Ablauf der Heimstunde teil. Du bleibst dabei im Hintergrund, gibst dem Kind aber die Sicherheit, da zu sein. Dadurch werden dem Kind Ängste vor Neuem genommen und Vorfreude geweckt. Diese Heimstunde sollen beide Leitungsteams gemeinsam planen, damit auch die GuSp einbezogen werden.

"Brückenmodell"

Inhalte der GuSp-Stufe werden in der Vorbereitung auf die Überstellung punktuell ,,vorgezogen" und mit Methoden der WiWö-Stufe (spielerisch) präsentiert. Der bekannte Rahmen, in dem die Kinder sich bewegen, bringt ihnen Sicherheit in der Auseinandersetzung mit dem Neuen - Vorfreude kann entstehen. Vorfreude auf etwas Neues kann aber nur dort entstehen, wo jede Stufe ihre klar begrenzten Erlebnisse und Eigenheiten bietet, die nicht vorweggenommen werden dürfen. In diesem Spannungsfeld kommt es natürlich wieder auf die Zusammenarbeit der beiden Leitungsteams an.

Überstellung – Die Zeremonie

In der Planung der Überstellung arbeiten die Teams beider Stufen eng zusammen. GuSp und WiWö werden - soweit es sinnvoll ist - mit einbezogen. Natürlich spielen, wie immer, Traditionen und Rituale eine wesentliche Rolle.

Überstellungszeremonien sind keine Mutproben und müssen angstfrei ablaufen!

Die WiWö sollen zwar gefordert, aber nicht überfordert werden. Es muss dir bewusst sein, dass die Situation an sich die Kinder schon sehr verunsichert und unter Druck setzt. Hilfreich ist für sie daher sicherlich, wenn sie vor der Zeremonie ihre persönlichen Gefühle äußern können und dazu auch gezielt Gelegenheit gegeben wird. Wenn es auch notwendig erscheint, dass die Kinder einen eigenen Schritt setzen, so heißt das nicht, dass wir sie in dieser Spannungssituation alleine lassen dürfen. Den größten Teil des ,,Weges" werden sie von WiWö/Leiterlnnen begleitet oder GuSp abgeholt und mitgenommen.

Mögliche Elemente einer Überstellung

  • Abschied von den WiWö; Versprechen zurückgeben
  • Waldenland-/Dschungelnamen zurückgeben, wenn sie einen haben
  • Kurzer Weg mit WiWö-LeiterIn
  • Abschied mit Dank und guten Wünschen
  • Bewusst einen eigenen Schritt setzen
  • Empfang durch die LeiterInnen der GuSp
  • Empfang durch die GuSp

Beispiele: Überstellung

  • Es ist sicher ein etwas "nostalgischer" Akt, der mit dem Lied "Abschied vom Volk/der Meute" (Hinweis: siehe S.: A67) beginnen kann. Es können ein paar persönliche Worte folgen, mit denen du den/die zu Überstellenden an ihre WiWö-Laufbahn erinnerst. Dann findet die feierliche Rückgabe des WiWö-Versprechens in die Hand der/des Leiters/ In statt. Für die anderen WiWö muss die Überstellungsfeier auch noch abgeschlossen werden, es können vielleicht schon neue Ringerste und Leitwölflinge ernannt werden.
  • Dazu kann der Große Wichtelruf/das Große Geheul am Beginn stehen, die zu Überstellenden stehen in der Mitte und sind so Mittelpunkt. Im Anschluss geben sie ihr Versprechen zurück, während die anderen Wichtel oder Wölflinge grüßend im Kreis stehen. Anschließend werden sie von der/m GruppenleiterIn zum Trupp begleitet. Auf dem Weg dorthin kann es kleine Aufgaben, eine Meditationsstrecke, oder auch nur Bodenzeichen geben.
  • Die GuSp bereiten das Programm für ein Wochenende mit den zu überstellenden WiWö vor. Diese werden vom Volk/der Meute verabschiedet (Großer Eulenruf/Wolfsgeheul) und verbringen das restliche Wochenende mit den GuSp, wobei sie von einer/einem WiWö- LeiterIn ständig begleitet werden. Das Programm soll ein Kennenlernspiel und evtl. ein kleines Abenteuer beinhalten.
  • (...) Und dann kam das Tollste – der Weg zu den GuSp ging nämlich über einen kleinen See. Über diesen war eine Schnur gespannt – direkt zu den GuSp – und an dieser Schnur war ein Schlauchboot eingefädelt. Jetzt haben sich jeweils zwei Kinder in dieses Boot gesetzt und wollten eigentlich nur zu den GuSp rüber. Sie haben sich also an der Schnur entlang gehantelt. Allerdings ist plötzlich Neptun persönlich (in Neoprenanzug, Dreizack und grüner Krepppapierperücke) aufgetaucht und hat natürlich versucht, sie daran zu hindern. Die GuSp haben geschrieen und getobt und haben die WiWö angefeuert. Erst, als die beiden im Boot Neptun einige wichtige Fragen beantworten konnten, hat er sie dann endlich in Ruhe gelassen. (...)
  • Bei der Überstellung geben die WiWö ihr Halstuch ab und es kommt in eine Schatztruhe. Dafür bekommen sie ein kleines Holzdreieck in den Halstuchfarben an einem Lederband, das sie statt eines Halstuches bis zum Versprechen tragen. Beim Versprechen wird dann ihr Halstuch wieder aus der Schatztruhe geholt und sie geben das kleine Dreieck wieder zurück. (Eigentlich ist das ja eine GuSp-Tradition, aber irgendwie gehört's doch auch ein bisschen zu den WiWö.)


Weiter zu