Ziel der WiWö: Unterschied zwischen den Versionen

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(Jedes Kind hat am Ende seiner WiWö-Zeit seine individuellen Fähigkeiten entdeckt)
(Jedes Kind hat am Ende seiner WiWö-Zeit seine individuellen Fähigkeiten entdeckt)
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Durch das [[Erprobungssystem]] gibst du den WiWö die Möglichkeit, im Rahmen ihrer jeweiligen Fähigkeiten weiterzukommen und sich für Neues zu interessieren. Es ist in "[[Acht Schwerpunkte]]" aufgegliedert, die allen Bereichen der kindlichen Persönlichkeit entsprechen. Wenn du sie alle gleichwertig berücksichtigst, ist gewährleistet, dass du "ganzheitliche" Erziehungsarbeit
 
Durch das [[Erprobungssystem]] gibst du den WiWö die Möglichkeit, im Rahmen ihrer jeweiligen Fähigkeiten weiterzukommen und sich für Neues zu interessieren. Es ist in "[[Acht Schwerpunkte]]" aufgegliedert, die allen Bereichen der kindlichen Persönlichkeit entsprechen. Wenn du sie alle gleichwertig berücksichtigst, ist gewährleistet, dass du "ganzheitliche" Erziehungsarbeit
 
leistest.
 
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Eine andere Art der Ausgewogenheit betrifft die Art und Weise (Methode), wie du mit den WiWö arbeitest. Auch hier sollst du das "ganze" Kind ansprechen, mit all [[seinen Gefühlen (Herz), seinem Wissen (Hirn) und seinen Fertigkeiten (Hand)]]. Der B-Teil dieses Behelfes ist so aufgebaut, dass du sicher darauf Rücksicht nimmst, wenn du seine Anregungen aufgreifst.
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Eine andere Art der Ausgewogenheit betrifft die Art und Weise (Methode), wie du mit den WiWö arbeitest. Auch hier sollst du das "ganze" Kind ansprechen, mit all seinen Gefühlen (Herz), seinem Wissen (Hirn) und seinen Fertigkeiten (Hand). Der B-Teil dieses Behelfes ist so aufgebaut, dass du sicher darauf Rücksicht nimmst, wenn du seine Anregungen aufgreifst.
 
Neben diesem Eingehen auf das "ganze Kind" musst du natürlich auch seine altersgemäße Entwicklung beachten. Das wird durch den Aufbau des Erprobungssystems garantiert: Jedes WiWö gelangt über den "[[Weg zum Versprechen]]", dem "[[Weg zum ersten Stern|1. Stern]]" zum "[[Weg zum zweiten Stern|2. Stern]]". [[Spezialabzeichen]] ermöglichen jedem Kind ganz besonders seine individuellen Fähigkeiten zu entdecken und zu vertiefen.
 
Neben diesem Eingehen auf das "ganze Kind" musst du natürlich auch seine altersgemäße Entwicklung beachten. Das wird durch den Aufbau des Erprobungssystems garantiert: Jedes WiWö gelangt über den "[[Weg zum Versprechen]]", dem "[[Weg zum ersten Stern|1. Stern]]" zum "[[Weg zum zweiten Stern|2. Stern]]". [[Spezialabzeichen]] ermöglichen jedem Kind ganz besonders seine individuellen Fähigkeiten zu entdecken und zu vertiefen.
  

Version vom 27. Juli 2007, 20:10 Uhr

Wir bei den Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ) möchten jedem Kind ermöglichen, diese individuelle Persönlichkeit zu entwickeln. Dafür ist es nötig auf die Besonderheiten der Kinder Rücksicht zu nehmen und sie in ihrer Entwicklung gezielt zu unterstützen. In der Verbandsordnung der PPÖ (VO 1.7) ist daher für die WiWö das sogenannte "Stufenziel" formuliert. Es beschreibt, was jedes einzelne Wichtel und jeder einzelne Wölfling am Ende der WiWö-Zeit, also bei der Überstellung zu den GuSp, erreicht, gelernt bzw. durch spielerische Methoden erlebt hat.

Arbeitsziel der WiWö-Stufe

  • Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit unter Berücksichtigung der altersgemäßen Entwicklung
  • Erfassen der konkreten Wirklichkeit
  • Vorbereitung auf die Guides/Späher- (GuSp-)Stufe

Ok, Puck und Mogli haben schon recht, das Ziel der WiWö-Stufe ist etwas "amtsdeutsch" formuliert. Was aber hinter diesem Ziel steckt und wie es auf die Besonderheiten von Kindern im Alter von 7-10 eingeht, wollen wir uns jetzt Schritt für Schritt ansehen. Dafür ist es erst mal nötig, den Text in unsere Alltagssprache zu übersetzen:

Jedes Kind hat am Ende seiner WiWö-Zeit

  • seine individuellen Fähigkeiten entdeckt.
  • diese weiterentwickelt und sie für sich und die Gemeinschaft eingesetzt.
  • seine kindliche Phantasie erlebt und entwickelt.

Jedes Kind kann am Ende seiner WiWö Zeit

  • zwischen dieser Phantasie und der Wirklichkeit unterscheiden.
  • sich in einer Gemeinschaft von Gleichaltrigen zurechtfinden.
  • sich seine eigene Meinung bilden und sie Anderen gegenüber vertreten.

Die Struktur der WiWö-Stufe

Listen wir die einzelnen Punkte des WiWö-Zieles noch einmal auf:

Jedes Kind hat am Ende seiner WiWö-Zeit seine individuellen Fähigkeiten entdeckt

Durch das Erprobungssystem gibst du den WiWö die Möglichkeit, im Rahmen ihrer jeweiligen Fähigkeiten weiterzukommen und sich für Neues zu interessieren. Es ist in "Acht Schwerpunkte" aufgegliedert, die allen Bereichen der kindlichen Persönlichkeit entsprechen. Wenn du sie alle gleichwertig berücksichtigst, ist gewährleistet, dass du "ganzheitliche" Erziehungsarbeit leistest. Eine andere Art der Ausgewogenheit betrifft die Art und Weise (Methode), wie du mit den WiWö arbeitest. Auch hier sollst du das "ganze" Kind ansprechen, mit all seinen Gefühlen (Herz), seinem Wissen (Hirn) und seinen Fertigkeiten (Hand). Der B-Teil dieses Behelfes ist so aufgebaut, dass du sicher darauf Rücksicht nimmst, wenn du seine Anregungen aufgreifst. Neben diesem Eingehen auf das "ganze Kind" musst du natürlich auch seine altersgemäße Entwicklung beachten. Das wird durch den Aufbau des Erprobungssystems garantiert: Jedes WiWö gelangt über den "Weg zum Versprechen", dem "1. Stern" zum "2. Stern". Spezialabzeichen ermöglichen jedem Kind ganz besonders seine individuellen Fähigkeiten zu entdecken und zu vertiefen.

Jedes Kind hat am Ende seiner WiWö-Zeit diese (individuellen Fähigkeiten) weiterentwickelt und sie für sich und die Gemeinschaft eingesetzt

Gleichzeitig zum Entdecken seiner Fähigkeiten, muss jedes Kind in diesem Alter auch lernen, wie es diese "seine" Besonderheiten für die Allgemeinheit einsetzen kann. Dieser Prozess wird für das Kind im WiWö-Gesetz ausgedrückt. Das Versprechen ist die persönliche Entscheidung jedes Kindes, sich an dieses Gesetz zu halten, also zu versuchen, seine Fähigkeiten für die Gemeinschaft einzusetzen. Das wird nicht immer ganz einfach sein. WiWö müssen ihre Fähigkeiten und deren Platz in der Gesellschaft erst einmal ausprobieren. Da kann es auch vorkommen, dass sie enttäuscht werden: Sei es, weil sich ein Kind selbst überschätzt oder weil andere in einer Sache besser sind. Daher steht über Gesetz und Versprechen der WiWö-Wahlspruch "So gut ich kann". Er garantiert einen geschützten Rahmen für jedes Kind, in dem das Ausprobieren "seiner selbst" angstfrei möglich wird. Deine Aufgabe als JugendleiterIn ist es, diesen Rahmen zu garantieren und trotzdem auf das persönliche Weiterkommen eines jeden einzelnen WiWö zu achten. Wie das geht, steht in diesem Buch.

Jedes Kind hat am Ende seiner WiWö-Zeit seine kindliche Phantasie erlebt und entwickelt

Zum Glück haben Kinder im WiWö-Alter ihre einzigartige Phantasie! Diese Phantasie ermöglicht ihnen nämlich, ihre Fähigkeiten spielerisch auszuprobieren. Sie schlüpfen in eine Geschichte, in eine Figur und können so Erfahrungen für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung sammeln. Bei den WiWö nennen wir das Arbeiten mit dieser kindlichen Phantasie den Arbeitsrahmen. Wir verwenden vor allem zwei Geschichten, die sogenannten Rahmengeschichten: "Puck sucht ihren Namen" von I. Peter und das „Dschungelbuch“ von R. Kipling. Diese Geschichten sind für Kinder im WiWö-Alter besonders gut geeignet. Sie sind so lebendig, dass du fast ein ganzes WiWö-Leben in diese Geschichten "verpacken" kannst.

Natürlich sprechen auch unsere Arbeitsmethoden die kindliche Phantasie voll an. Das Spiel und das Sondertreffen sind ohne Phantasie drum herum nicht denkbar. Du musst aber unterscheiden zwischen dem Spiel selbst (als Mittel zum Lernen) und dem Arbeitsrahmen für diese Methode (also der Geschichte rundherum). Der Rahmen sollte immer zum Bild passen – und nicht umgekehrt! In den Kapiteln "Das Spiel – Unsere Stufenmethode" und "Das Sondertreffen" erfährst du genau, wie das geht.

Jedes Kind kann am Ende seiner WiWö Zeit zwischen dieser Phantasie und der Wirklichkeit unterscheiden

Ein Grundsatz der PfadfinderInnenbewegung ist das "learning by doing" also das "Lernen durch Tun". Das heißt, bei den PPÖ – also auch bei den WiWö - werden Werte, Wissen, Fertigkeiten nicht theoretisch vermittelt, sondern durch Ausprobieren gelernt. Daher verwenden wir auch das Spiel als Methode für WiWö. Das "learning by doing" passiert in unserer Stufe hauptsächlich in der schon beschriebenen Phantasiewelt der Rahmengeschichten. Deshalb ist es wichtig, immer wieder den Bezug zur Wirklichkeit herzustellen. Du musst deinen WiWö Zeit und Möglichkeiten bieten, das im Spiel Erlebte für sich selber (und ihre Wirklichkeit) umzusetzen. Das nennen wir "Reflexion". Worauf du dabei achten musst, erfährst du im Kapitel "Das Erprobungssystem – Zielorientierte Planung". Dir ist wahrscheinlich schon aufgefallen, dass sich im WiWö-Alter für jedes Kind persönlich recht viel ändert. Veränderungen verunsichern. Gib daher deinen WiWö klare Anhaltspunkte, auf die sie sich verlassen können. Das vermittelt ihnen sicheren Boden unter den Füßen. Dazu zählt ein klar abgegrenzter und jedem Kind gut bekannter Arbeitsraum: Das Heim, die umgebende Natur ums Heim. Auch ein annähender gleichbleibender Heimstundenablauf ist wichtig, sowie klare Regeln für das Zusammenleben.

Jedes Kind kann sich am Ende seiner WiWö Zeit in einer Gemeinschaft von Gleichaltrigen zurechtfinden

Das Leben in einer Gruppe von Gleichaltrigen ist eine weitere Herausforderung für Kinder im WiWö-Alter. Das erste Mal in ihrem Leben stehen sie nicht unter direktem Einfluss der Eltern. An deren Stelle treten zeitweise andere Bezugspersonen: In der Schule z.B. der/die LehrerIn. In der WiWö-Welt bist du als JugendleiterIn diese Bezugsperson. Mit deiner Arbeit mit WiWö ergänzt du die Erziehungsarbeit der Eltern, der Schule - und eventuell anderer Vereine oder Institutionen. Du ersetzt sie aber nicht. Eine WiWö-Gemeinschaft (= Arbeitseinheit) umfasst idealerweise 24 Kinder, ist somit eine Großgruppe. Wir nennen diese Großgruppe in Anlehnung an unsere Rahmengeschichten "Volk" oder "Meute". Darin sind alle Kinder gleichberechtigt und ihr solltet bei all euren Treffen möglichst viel gemeinsam, also in der großen Gruppe, machen. Das heißt, die WiWö-Stufe arbeitet noch nicht mit der Kleingruppe ("Peer Group"), auch wenn sie teilweise so organisiert ist. Um dir den Überblick zu erleichtern und um einige Abläufe einfacher zu gestalten, kannst du nämlich ein Volk in Ringe und eine Meute in Rudel mit je ca. sechs Kindern einteilen. Jeder Ring und jedes Rudel trägt einen Namen - meist den einer Farbe. Für jeden Ring und jedes Rudel wird von dir eine Ringerste bzw. ein Leitwölfling bestimmt. Diese können dich auch in einigen organisatorischen Dingen unterstützen – überfordere sie aber nicht! Ringerste bzw. Leitwölflinge sind keine VertreterInnen ihres Ringes/Rudels. Dieser Schritt passiert erst in der GuSp-Stufe, wo auch das erste Mal mit dem System der Kleingruppen (Patrullensystem) gearbeitet wird.

Zeremonien sind Feiern in der Gemeinschaft. Sie machen die Gemeinschaft greifbar und erlebbar.

Die Uniform ist ein äußeres Zeichen unserer Gemeinschaft. Was alles zur Uniform gehört und wie sie aussieht findest du auf S.: B11 oder in der Verbandsordnung der PPÖ (VO 5).

Jedes Kind kann sich am Ende seiner WiWö Zeit seine eigene Meinung bilden und sie Anderen gegenüber vertreten

Im WiWö-Alter sind Kinder relativ leicht zu beeinflussen. Sie können noch nicht ohne weiteres eigenständige Entscheidungen treffen. Das heißt, du als WiWö-FührerIn bis für die Gestaltung des WiWö-Lebens voll verantwortlich. Wichtig aber ist, dass deine WiWö in diesem Alter lernen ihrer eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten. Natürlich gilt auch hier das "learning by doing" – in kleinen Schritten eben. Ein guter Rahmen für so eine Meinungsfindung mit WiWö ist sicher die Wichtelnacht bzw. der Ratsfelsen. Denn da kann jedeR gleichberechtigt seine Meinung vertreten. Wie das genau geht und wie du überhaupt Demokratie mit WiWö leben kannst, steht im Kapitel "Das Erprobungssystem – Zielorientierte Planung". Bei allem was du mit Kindern tust, muss dir deine Vorbildwirkung als Bezugsperson klar sein. Nur wenn du als ErwachseneR partnerschaftlich mit deinen Mitmenschen umgehst, sie als eigenständige Persönlichkeiten akzeptierst und Respekt vor dieser Persönlichkeit hast, können Kinder in deinem Bezugsbereich Selbstständigkeit und demokratisches Grundverhalten entwickeln.

Literatur

  • Verbandsordnung (PPÖ) Scout-Shop
  • Peter Inge: Puck sucht ihren Namen (Allzeit-Bereit-Verlag) Scout Shop
  • Kipling Rudyard: Das Dschungelbuch (dtv Tb. 1200) ISBN 3-423-01200-5